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Liebe Leserinnen und Leser,

der Transporter ist auf dem Rückweg vom Kunden. Die Tankanzeige nähert sich der Reserve, an der nächsten Ausfahrt liegt eine Tankstelle. Der Fahrer hält an, tankt Diesel und setzt seine Tour fort. Ein ganz normaler Vorgang, über den im Unternehmen vermutlich niemand länger nachdenkt.

Auf der Monatsabrechnung erscheint später nur der Betrag. Ob derselbe Tankvorgang eine Stunde früher oder an einer anderen Tankstelle günstiger gewesen wäre, bleibt oft offen.

Seit April 2026 gibt es für solche Entscheidungen eine neue Grundlage: Öffentliche Tankstellen dürfen ihre Benzin- und Dieselpreise nur noch einmal täglich erhöhen, und zwar um 12 Uhr. Die Regel schafft mehr Vorhersehbarkeit. Sie erledigt das Kostenmanagement im Fuhrpark allerdings nicht von selbst.

Was sich seit dem 1. April 2026 verändert hat

Das Kraftstoffpreisanpassungsgesetz begrenzt Preiserhöhungen für Otto- und Dieselkraftstoffe an öffentlichen Tankstellen auf einmal pro Kalendertag um 12 Uhr. Preissenkungen bleiben jederzeit erlaubt. Tankstellen können ihre Preise also weiterhin mehrfach am Tag verändern, solange sie außerhalb des erlaubten Zeitpunkts nicht erhöht werden.

Für Fahrer und Fuhrparkverantwortliche bedeutet das: Der typische Tagesverlauf ist besser vorhersehbar geworden. Der Preis an einer konkreten Zapfsäule hängt aber weiterhin vom Anbieter und Standort ab. Auch die Entwicklung am Öl- und Kraftstoffmarkt beeinflusst das Niveau.

Die 12-Uhr-Regel ist deshalb keine staatliche Preisobergrenze. Sie soll vor allem das Vergleichen erleichtern. Ob der Kraftstoff für ein Unternehmen tatsächlich günstiger wird, entscheidet sich erst beim Einkauf.

Die Neuregelung ist zudem umstritten. Der ADAC fordert seit September 2026 ihre Abschaffung: Nach Einschätzung des Automobilclubs ist der Abstand zwischen günstigen und teuren Tageszeitpunkten größer geworden, ohne dass die Regel das allgemeine Preisniveau gesenkt hätte. Mehr Transparenz bedeutet also nicht automatisch niedrigere Preise.

Seit dem 1. Oktober gilt zusätzlich eine befristete Energiesteuersenkung bis zum 31. Dezember 2026. Sie beträgt 14 Cent je Liter, einschließlich des Umsatzsteuereffekts rechnerisch rund 17 Cent. Wie viel davon an der Zapfsäule ankommt, hängt von der Preisgestaltung der Anbieter ab. Mit der 12-Uhr-Regel ist diese steuerliche Maßnahme nicht zu verwechseln.

Warum ausgerechnet die Minuten vor zwölf interessant sind

Der ADAC hat im Mai 2026 die Preise von mehr als 14.000 Tankstellen ausgewertet. In dieser Untersuchung war Tanken kurz vor 12 Uhr im bundesweiten Durchschnitt am günstigsten. Unmittelbar um die Mittagszeit stiegen die Preise durchschnittlich um 14,6 Cent je Liter Super E10 und 18,4 Cent je Liter Diesel.

Bei einer Tankfüllung von 50 Litern entspricht der ermittelte Diesel-Preissprung rechnerisch 9,20 Euro. Das ist eine Durchschnittsbetrachtung des untersuchten Zeitraums, kein Betrag, den jedes Fahrzeug bei jedem Tankstopp sparen könnte.

Auch wichtig: Der günstigste Zeitpunkt hat sich verändert. Vor der Neuregelung lagen die Tiefpreise häufig am Abend. Nach dem Preissprung um zwölf sinken die Preise im Tagesverlauf wieder. Wer erst am Nachmittag tanken kann, sollte deshalb die aktuellen Preise prüfen, statt sich auf die frühere Abendregel oder eine starre Uhrzeit zu verlassen.

Das heißt für Deinen Fuhrpark nicht, dass jetzt alle Mitarbeiter um 11:45 Uhr an einer Zapfsäule stehen sollen. Eine dringende Lieferung hat Vorrang, und ein sinnvoller Tourenplan darf nicht durch künstlich erzwungene Tankstopps aus dem Takt geraten.

Der teure Tankstopp beginnt häufig schon bei der Planung

In vielen Betrieben ergibt sich das Tanken nebenbei. Der Fahrer hält an einer vertrauten Tankstelle oder sucht erst dann eine Zapfsäule, wenn die Reserveanzeige aufleuchtet. Bei wechselnden Fahrzeugen ist der Füllstand zu Beginn der Schicht womöglich eine Überraschung.

Keiner dieser Fälle beweist automatisch eine schlechte Entscheidung. Wenn aber die Tankstopps regelmäßig ungeplant stattfinden, verliert die Disposition die Möglichkeit, günstigere Alternativen entlang der ohnehin vorgesehenen Strecke zu berücksichtigen.

Besonders bei täglich wiederkehrenden Touren lohnt es sich, die Möglichkeiten vor Ort anzuschauen. Vielleicht passiert ein Fahrzeug morgens eine günstigere öffentliche Tankstelle, während es später auf einer teureren Strecke tanken muss. Solche Unterschiede lassen sich erst erkennen, wenn die tatsächlichen Tankvorgänge mit den Einsatzabläufen abgeglichen werden.

Dabei zählt nicht allein der Literpreis. Eine vermeintlich günstige Tankstelle kann teuer werden, wenn dafür ein erheblicher Umweg oder zusätzliche Arbeitszeit anfällt.

Wann sich ein Umweg gerade nicht lohnt

Angenommen, eine Tankstelle verlangt fünf Cent weniger je Liter. Bei 50 Litern beträgt der Preisvorteil 2,50 Euro. Muss der Fahrer dafür zehn Minuten zusätzlich aufwenden und mehrere Kilometer Umweg fahren, ist dieser Vorteil möglicherweise bereits aufgebraucht.

Das Beispiel zeigt, weshalb allgemeine Anweisungen wie „immer die billigste Tankstelle wählen“ im Fuhrpark zu kurz greifen. Die wirtschaftlich beste Entscheidung hängt davon ab, wo das Fahrzeug ohnehin unterwegs ist und wann der nächste Tankstopp nötig wird.

Eine praxistaugliche Regel kann daher lauten: Preise entlang der geplanten Strecke vergleichen und günstige Tankgelegenheiten nutzen, wenn sie ohne nennenswerten Zusatzaufwand erreichbar sind. Die konkreten Vorgaben sollten zu den Arbeitsabläufen passen und die sichere Durchführung der Fahrt nicht beeinträchtigen.

Was wenige Cent im Unternehmensmaßstab bedeuten können

Ein einzelner Unterschied von fünf Cent je Liter wirkt zunächst überschaubar. Auf einen Fuhrpark übertragen verändert sich die Rechnung.

Nehmen wir ausdrücklich fiktiv 30 Dieselfahrzeuge an, die jeweils 150 Liter im Monat tanken. Gemeinsam sind das 4.500 Liter. Würde das Unternehmen tatsächlich bei jedem dieser Liter fünf Cent weniger bezahlen, ergäbe sich ein Unterschied von 225 Euro im Monat beziehungsweise 2.700 Euro über zwölf Monate.

Das ist keine Einsparprognose. Die Mengen und der Preisvorteil sind frei gewählte Rechenannahmen; die tatsächlichen Bruttokosten an der Zapfsäule und die betriebswirtschaftliche Nettobetrachtung können ebenfalls voneinander abweichen. Manche Tankvorgänge lassen sich zeitlich nicht verschieben, andere sind vertraglich an bestimmte Anbieter gebunden.

Trotzdem macht die Rechnung deutlich, warum sich eine nachvollziehbare Tankstrategie gerade bei mehreren Fahrzeugen lohnt.

Welche Informationen Du wirklich brauchst

Für eine erste Prüfung reicht es, die Tankvorgänge aus einem repräsentativen Zeitraum anzusehen. Auf den Abrechnungen oder Belegen sollten sich zumindest Tankzeitpunkt, getankte Menge und bezahlter Literpreis nachvollziehen lassen. Wenn möglich, ordnest Du diese Daten dem jeweiligen Fahrzeug und seiner üblichen Strecke zu.

Anschließend zeigt sich, ob Fahrzeuge auffällig häufig kurz nach der erlaubten Mittagserhöhung tanken oder regelmäßig Stationen mit vergleichsweise hohen Preisen nutzen. Eine Beobachtung ist noch kein Fehlernachweis: Bei manchen Touren gibt es schlicht keine wirtschaftlich sinnvolle Alternative.

Erst das Gespräch mit Disposition und Fahrern erklärt, warum bestimmte Tankmuster entstehen. So lassen sich praktikable Regeln entwickeln, statt einzelne Mitarbeiter nachträglich für jede teure Tankfüllung verantwortlich zu machen.

Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt sammelt die gemeldeten Preise öffentlicher Tankstellen für Super E5, Super E10 und Diesel. Verbraucher-Informationsdienste stellen diese Daten in Apps und auf Webseiten bereit. Damit können Fahrer die aktuellen Preise vor einem ohnehin anstehenden Tankstopp vergleichen.

Wo digitale Fuhrparkdaten helfen – und wo ihre Grenze liegt

Eine Preisvergleichs-App beantwortet die Frage, welcher Anbieter gerade welchen Preis verlangt. Eine Telematiklösung betrachtet dagegen vor allem das Fahrzeug und seinen Einsatz. Beides hat unterschiedliche Aufgaben.

Webfleet bietet je nach eingesetzter Technik beispielsweise Auswertungen zum Kraftstoffverbrauch, zu Fahrten und zum Fahrverhalten. Solche Informationen können helfen, Verbrauchsauffälligkeiten einzuordnen und die betriebliche Nutzung besser zu verstehen. Sie ersetzen jedoch nicht automatisch den aktuellen Tankstellen-Preisvergleich oder die Prüfung von Tankbelegen.

comuniverse ist offizieller Webfleet-Partner und begleitet Unternehmen bei der Auswahl und Einbindung geeigneter Telematiklösungen in ihre vorhandenen Abläufe. Gerade beim Kraftstoffmanagement kommt es darauf an, welche Daten bereits vorliegen und welche Fragen damit tatsächlich beantwortet werden können.

Für die Entscheidung über eine neue Tankroutine muss deshalb nicht erst ein aufwendiges Projekt beginnen. Oft liefert schon der Blick auf vorhandene Abrechnungen und Touren eine erste belastbare Grundlage.

Ein guter Tankprozess muss im Alltag funktionieren

Eine Regel, die ausschließlich auf den theoretisch günstigsten Tankzeitpunkt ausgerichtet ist, wird an vielen Arbeitstagen scheitern. Kundenaufträge verschieben sich und nicht jede Strecke führt an einer passenden Tankstelle vorbei. Auch kurzfristige Fahrzeugwechsel erschweren starre Vorgaben.

Deutlich hilfreicher ist eine einfache Vereinbarung, die der Fuhrpark auch tatsächlich umsetzen kann: Vor einem planbaren Tankstopp werden die aktuellen Preise geprüft. Die Tour bleibt maßgeblich, unnötige Umwege werden vermieden. Bei wiederkehrenden Fahrten kann die Disposition günstig gelegene Tankmöglichkeiten berücksichtigen.

Nach einigen Wochen lässt sich an den tatsächlich bezahlten Literpreisen erkennen, ob sich etwas verändert hat. Dabei sollten auch Veränderungen des allgemeinen Preisniveaus und des Fahrzeugeinsatzes berücksichtigt werden, damit die Auswertung nicht zu falschen Schlüssen führt.

Die neue 12-Uhr-Regel macht Preiserhöhungen vorhersehbarer. Den wirtschaftlichen Vorteil daraus muss Dein Unternehmen im täglichen Betrieb selbst erschließen.

Wenn Du wissen möchtest, ob sich ein genauerer Blick lohnt, beginne mit der letzten Tankabrechnung: Zu welchen Uhrzeiten tanken Deine Fahrzeuge und welche Preisunterschiede tauchen dabei auf? Die Antworten können überraschend konkret sein.